Was ist Armut?

Der Begriff Armut bezeichnet primär den Mangel an lebenswichtigen Gütern wie Nahrung, Obdach oder Kleidung. Wenn solche Grundbedürfnisse nicht erfüllt sind, sprechen wir von absoluter Armut. Armut wird jedoch von Land zu Land unterschiedlich definiert, das heißt, sie ist immer relativ. Der Mangel manifestiert sich in reichen Ländern anders als in Bangladesch oder Bolivien. Menschen, die in Österreich von 700 Euro im Monat leben müssen, hilft es dabei wenig, dass sie mit diesem Geld wo anders gut auskommen könnten. Die Miete ist hier zu zahlen, die Heizkosten sind hier zu begleichen und die Kinder gehen hier zur Schule.
Armut ist das Leben, mit dem die wenigsten tauschen wollen. Arme haben die schlechtesten Jobs, die geringsten Einkommen, die kleinsten und feuchtesten Wohnungen. Und sie sterben im Schnitt um sieben Jahre früher als wohlhabende Menschen.1

Manifest arm sind Menschen dann, wenn mit ihrem geringen Einkommen schwierigste Lebensbedingungen verbunden sind: Sie können etwa abgetragene Kleidung nicht ersetzen, die Wohnung nicht angemessen warm halten, unerwartete Ausgaben nicht begleichen oder notwendige Zahnarztbesuche nicht bezahlen.

Beim Begriff der relativen Armut geht es im Unterschied dazu nicht um die Kluft zwischen elementaren Bedürfnissen und den Mitteln zu deren Befriedigung. Relative Armut wird im Vergleich zum durchschnittlichen Lebensstandard einer Gesellschaft bestimmt. Auch relative Armut hindert Menschen daran, elementare Grundrechte wie Gesundheit oder Bildung wahrzunehmen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Eine sehr weit gefasste Definition von Armut liefert der indische Wirtschaftsnobelpreisträger Amartya Sen. Ihm zufolge bedeutet Armut nicht nur ein geringes Einkommen, sondern prinzipiell die Beraubung von Fähigkeiten. Armut stellt so gesehen auch einen Zustand der systematischen Benachteiligung dar.2

 

 

1) Schenk, Martin (2010): Es reicht. Für alle. Wege aus der Armut. Impulsreferat im Rahmen der Fokuswoche EU-Jahr 2010, Berlin
2) Sen, Amartya Kumar (2009): Ökonomische Ungleichheit. Metropolis-Verlag, Marburg