Frau, alleinerziehend, arbeitend, arm …

Nach der Trennung von ihrem Partner ahnte Maria Milinić, dass einiges auf sie zukommen würde.17 Als Sozialarbeiterin im Berufsleben mit vielem konfrontiert, kannte sie die Geschichten von alleinerziehenden Frauen, Migrantinnen wie sie selbst, die in Armut leben. Nun ist sie selbst auf staatliche Hilfe angewiesen. Mit ihrem Gehalt überleben die Frau und ihre drei Kinder vielleicht eine Woche. Wenn Miete, Strom, Telefon, Kindergarten und Versicherungen bezahlt sind, geht sich höchstens noch ein großer Einkauf aus.

Die Abhängigkeit von Unterstützung ist aber nicht das Schlimmste. Als noch bedrückender empfindet Maria Milinić die Ohnmacht gegenüber den Launen der Sachbearbeiterin am Amt: „Sie nimmt sich jeden Monat viel Zeit und bearbeitet meine Anträge gegen Ende des Monats. Wo ich schon längst erfüllt bin von Überlebensangst - komplett gestresst und mit zunehmenden Brustkorbschmerzen - mir von irgendeiner Kollegin oder Freundin Geld ausleihe.“

Die älteren Kinder kriegen alles mit, der Sohn, der ein Gymnasium besucht, kämpft mit dem schlechten Gewissen: als ob Schule ein Luxus wäre, der nur reichen Kindern zusteht. Eigentlich müsste er doch auch arbeiten und helfen, damit Geld reinkommt, sagt der Junge. Seine Mutter meint, er soll für sein Ziel arbeiten und das Gymnasium fertig machen. So wird schon der Schulbesuch zur Belastung.

Die Sachbearbeiterin am Sozialamt vermittelt Maria Milinić das Gefühl, sie sei eine  Bittstellerin und die Unterstützung - wenn sie denn wieder gewährt wird - ein Akt der Gnade, nicht ein Akt der Solidarität, auf den sie einen Anspruch hat, weil sie in dieser Gesellschaft lebt, arbeitet, Steuern und Beiträge zahlt. Maria Milinić ist eine gestandene Frau, die den Haushalt schmeißt, drei Kinder großzieht, alleine, ohne Familie, ohne Ex-Partner, und das alles mit einer großen Portion Leidenschaft.

Doch mittlerweile hat sie einfach Angst. Angst, Anträge zu stellen. Angst, dass das Geld nicht rechtzeitig kommt und nichts zum Essen da ist. Angst, dass sie keine gute Mutter ist. Wenn in ihrem Job als Sozialarbeiterin Frauen kommen und erzählen, sie werden geschlagen, gedemütigt, schlecht behandelt von ihren Männern, und sie trauen sich nicht, eine Trennung durchzuziehen, weil sie nicht wissen, ob sie das überhaupt finanziell schaffen werden, dann – so sagt Monica Milinić - tut sie sich wirklich schwer, diese Frauen zu ermutigen.18

17) Name geändert
18) Plattform für Menschenrechte (2010): Salzburger Menschenrechtsbericht 2010, S 68ff